Dysfunktionale Familienkonstellation – ein Berührung der besonderen Art

Eine junge Mutter erzählte von ihren Schlafstörungen, die anfingen, als ihre Tochter etwas über einem Jahr wurde. Dazu kam noch Herzrasen. Ihre Ärztin riet ihr zur Selbstreflektion – vielleicht sei eine Änderung in ihrem Leben notwendig – eine „Neujustierung ihrer Selbst“ quasi.

Das war der Ausgangspunkt, wieso sie sich entschloss mal zum Coach zu gehen. In Selbstreflexion sich zu üben, mit dem Ziel diese diffusen Schlafstörungen in den Griff zu bekommen.

Als das Ziel gefunden war, erzählte sie, dass sie nur noch Omas und Opas sieht, die sich so über die Enkel freuen. Die sie abholen, Familien die funktionieren. Traurig erzählt sie, wie sie kürzlich mit ihrer Mutter telefonierte. Sie wollte von den Schlafstörungen erzählen, dass sie kaputt war – hundemüde, erschöpft. Eigentlich wollte sie um Hilfe bitten, etwas Trost bekommen. Das bekam sie jedoch nicht. Stattdessen sagte ihre Mutter zu ihr am Telefon: „Was denkst du, wie es mir mit euch ging? Und ich hatte noch ein Kind mehr als du.“ Verletzt und unfähig fühlte sie sich nach dem Telefonat. Das ist kein neues Gefühl im Zusammenhang mit ihrer Familie. Sie erzählt, dass ihre Mutter – also die Oma – auch zu keinem Kindergeburtstag anreist. Das strengt sie zu sehr an, es ist zu weit. Sie spricht auch nicht am Telefon mit den Enkelkindern. Sie hat kein Interesse an ihnen. Schon gar nicht, wenn die Tochter von guten Leistungen ihrer Kinder erzählt, fühlt sich die Oma angegriffen. Meine Klientin spricht darüber, dass sie den Eindruck hat, dass ihre Mutter nur dann Interesse an ihren Kinder und ihrer Familie zeigt, wenn was nicht funktioniert. Da spürt sie fast sowas wie Freude und sowas zeigt ihre Mutter so gut wie nie.

Ich frage meine Klientin, was das mit ihr macht? Sie sagt, es macht mich unendlich traurig. Sie spricht davon, dass sie sich als Kind oft minderwertig gefühlt hat, da sie den Erwartungen ihrer Eltern nie gerecht werden konnte. War sie schlecht in der Schule, so war sie unfähig, war sie gut in der Schule, war es auch nicht ok. Zum Examen freute sich keiner. Ihr Vater sagte nur, toll, dann kannst du dich endlich mit deinen Brüdern unterhalten. Überhaupt hatte sie den Eindruck, dass sich alle besser gefühlt hätten, wenn sie gescheitert wäre. Dennoch fühlt sie sich verpflichtet und schuldig irgendwie.

Ich muss sagen, ich schluckte nicht schlecht und kämpfte mir meiner Haltung. Zum einen machte mich das sehr wütend, warum? Weil ich auch aus so einer Familie komme und so viele Parallelen erkannte.

Ich bat sie sich vorzustellen, es ist ihre Tochter, die sie anrief. Ihre kleine Tochter ist erwachsen und ruft sie an, erzählt ihr von den guten Noten ihrer Kinder oder dass ein neuer Zahn gekommen ist oder ihre Tochter erzählt ihr davon, wie erschöpft sie sei, was würde sie ihrer Tochter sagen?…Sie sagt direkt, na ich würde mich sehr für meine Tochter und Enkel freuen, wäre stolz über gute Noten und neue Zähne. Ich würde ihr gut zureden, dass es jeden so mit kleinen Kindern geht. Alle sind erschöpft. Das ich ihr die Kinder abnehme, vorbeikomme, damit sie sich mal erholen kann…Das ist doch klar!…..

….Es ist sehr schwer, sich von alten Glaubenssätze zu lösen, neue für sich zu definieren. Aber es ist machbar!

An dieser Stelle möchte ich auf das wundervolle Buche von Stefanie Stahl: „Das Kind in dir muss Heimat finden.“ verweisen.

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